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August 2017

Teilhabe - Macht - Kritik: Zur Widerständigkeit relationalen Denkens. Sommerakademie

July 31, 2017 Konstanz

Ausgehend von einer „Ökologie der Praktiken“, wie sie die belgische Philosophin und Wissenschaftstheoretikerin Isabelle Stengers charakterisiert, und einer Theorie der „Enteignung“, verstanden im Sinne einer Empfänglichkeit, wie sie Judith Butler und Athēna Athanasiou entwerfen, sollen in der Sommerakademie Fragen der Teilhabe, des Widerstands, der Widerständigkeit, der Politik und Ethik thematisiert werden. Stengers sowie Butler und Athanasiou können (und sie werden es auch) als VertreterInnen zweier divergenter Theoriepositionen dargestellt. Butler wird mit einer diskursiv-anthropozentrischen Perspektive (Karen Barad) identifiziert und Stengers steht für einen „spekulativen Konstruktivismus“, der sich durch eine Offenheit für das Wundersame, Überraschende und Eigensinnige der untersuchten matters auszeichnet, der in der Materialität eine „power of wonder“ erkennt.
Mit Stengers steht das Subjekt nicht einer Natur gegenüber, sondern ist Teil der Natur. Unser Handeln ist Teil eines komplexen Gefüges, welches durch unser Agieren nachhaltig beeinflusst wird, das wir aber nicht kontrollieren können. Auch jedes Ereignis ist Teil eines Zusammenhangs, eines Milieus, auf das eine Praktik bezogen ist und durch das es sich realisiert. Jede Praktik ist singulär, einzigartig in ihrer Emergenz und in ihrer Wirkung. Für Stengers ist eine „Ökologie der Praktiken“ deshalb auch ein Werkzeug für ein Denken des Kommenden. Ein Denken, das auf die ereignishafte Potenzialität der Materialität gefasst ist. Butler und Athanasiou vertreten im Unterschied dazu, die Idee wechselseitiger Abhängigkeit von Leben, die ineinander eingelassen sind. Sie versprechen sich davon ein „Prinzip der Gleichheit und Verbundenheit.“ (Butler, 151) Die Abhängigkeit begründet unsere Verwundbarkeit (Butler, 17) Mit dieser geht eine Perspektive einher, welche „die Verwundbarkeit der anderen erkennt und durch sie affiziert ist.“ (Athanasiou, 162)
In ihren konkreten Verfahren der Machtkritik können Butler/Athanasiou und Stengers als fast gegenläufig betrachtet werden: Die Verpflichtung zum Widersprechen beziehen Butler/Athanasiou auf das Selbst und fordern es auf, aus seiner zeitlichen und räumlichen Ordnung herauszutreten: Das Selbst sei zu einer Reflexivität verpflichtet, die seiner Beziehungsförmigkeit und gesellschaftlichen Verfertigung Rechnung trägt und sich einem bloßen Selbstbezug zu Gunsten eines ‚Miteinander-Werdens’ entgegenstellt. In der Perspektive der Wissenschaftstheorie richtet sich Stengers Vorschlag eines Widersprechens hingegen auf die Analyse von Praktiken in ihrer zeitlichen und räumlichen Situiertheit und Verflochtenheit. Sie plädiert also für ein ‚Hineintreten’ in einen spezifischen Zusammenhang.

Aus dieser Gegenüberstellung lassen sich folgende Fragen ableiten, die im Rahmen der Sommerakademie diskutiert werden sollen:
In welchem Verhältnis steht relationales Denken zu politischem Handeln? Welche Handlungsräume werden eröffnet, wenn Handlung, Widerstand oder Denken ökologisch, d.h. in ihrer Umweltlichkeit (und nicht subjektbezogen) gedacht werden? Anders gefragt, kann Relationalität Widerstand produzieren? Gegen wen/was richtet sich Widerstand, der sich als Teil eines Milieus artikuliert?
Inwieweit ist innerhalb eines relationalen Denkens oder der Idee wechselseitiger Empfänglichkeit, wie Butler/Athanasiou sie vorschlagen, Widerstand zu begreifen, ohne die Dynamik dieser Denkmodelle zugunsten einer erneuten Enteignungsfigur aufzuheben? Kann Widerstand in der doppelten Figur der Enteignung – d.h. zum einen als herrschaftsbegründend wie subjektkonstituierend und zum anderen als beraubend und gewaltsam entziehend – begründet werden? Ist die Eröffnung eines Re-Signifikationsprozesses an die aus der eröffnenden Differenz entstehenden Orte bzw. Situationen, von dem/der aus gesprochen, gehandelt, resignifiziert werden kann, gebunden?
Eröffnet die Retransformation der „matters of fact“ in „matters of concern“ (Stengers) und mithin die Situierung der Betroffenheit eine Möglichkeit in einem radikal relationalen Denken widerständig zu sprechen, zu handeln und den situierten Einzelfall zugleich in Relation zum Milieu zu sehen? Inwiefern aber kann ein solches Denken des Werdens oder der Potenzialität, wie Stengers dies beschreibt, in Werkzeuge für konkrete Positionierungen und politische Aktualisierung übersetzt und insofern in konkret zu beschreibenden Teilhabeprozessen (des Mit-Seins, Mit-Sinns oder Mit-Teilens, vgl. Jean-Luc Nancy) gedacht werden?
Inwieweit legen beide theoretischen Positionen vielmehr eine Problemlage offen, als dieser ein neues Modell entgegenzusetzen? Oder, was gewinnen wir von Butlers/Athansious bzw. Stengers Konzeption für ein Denken des Widerstands und der Teilhabe?

Grundlage der Diskussion im Rahmen der Sommerakademie sind folgende Texte:
- Judith Butler/Athēna Athanasiou: Die Macht der Enteigneten. Das Performative im Politischen. Zürich/Berlin: diaphanes 2014, Kapitel 1, 2, 6 und 13.
- Isabelle Stengers: The Cosmopolical Proposal. In: Bruno Latour/Peter Weibel (Hrsg.): Making Things Public. Karlsruhe: ZKM 2006, S. 994-1003.
- Isabelle Stengers: Stengers: Introductory Notes on an Ecology of Practices. In: Cultural Studies Review, 11/1 (2005), 183-196.
Interessierte TeilnehmerInnen werden gebeten, in einem 2-3-seitigen Diskussionspapier – mit Bezug auf die genannten Texte – zu den Möglichkeiten des Widerstands in relationalem Denken Stellung zu nehmen. Der Call richtet sich in erster Linie an DoktorandInnen und PostdoktorandInnen. Das Papier schicken Sie bitte mit einer kurzen biobibliographischen Notiz (ca. eine halbe Seite) bis zum 31. Mai 2017 als pdf-Datei an robert.stock[at]uni-konstanz.de.
Programm

Das Programm wird zeitnah unter https://mediaandparticipation.com/ veröffentlicht.

The Connected Past 2017

August 24, 2017 Bournemouth University (UK)

The Connected Past 2017: The Future of Past Networks?

August 24-25th 2017
Bournemouth University (UK)

August 22-23rd 2017 Practical Networks Workshop

The Connected Past 2017 is a multi-disciplinary, international two-day conference that aims to provide a friendly and informal platform for exploring the use of network research in the study of the human past.

It will be preceded by a two-day practical workshop offering hands-on experience with a range of network science methods.

Deadline call for papers: May 21, 2017
Notification of acceptance: May 29, 2017

Conference registration (includes coffee breaks and lunch): £35
Workshop registration (includes coffee breaks): £20

Keynotes: Eleftheria Paliou and discussant Chris Tilley (tbc)
Organisers: Fiona Coward, Anna Collar & Tom Brughmans

Call for Papers
Five years have passed since the first Connected Past conference (Southampton 2012) brought together scholars working in archaeology, history, physics, mathematics and computer science to discuss how network methods, models and thinking might be used to enhance our understanding of the human past. Much has happened in these intervening years: applications of network analysis have expanded rapidly; a number of collected volumes dealing explicitly with network analysis of the past have been published (e.g. The Connected Past, OUP 2016; Special Issue of the Journal of Archaeological Method and Theory 2015; Network Analysis in Archaeology, OUP 2013); and several dedicated groups of scholars are thriving, including the Connected Past itself which hosted conferences in Paris and London, but also the Historical Network Research group, Res-Hist and others. The Connected Past 2017 will provide an opportunity to take stock of the developments of the past five years and to discuss the future of network research in archaeology and history. How will new network models, methods and thinking shape the ways we study the past?

We welcome submissions of abstracts that address the challenges posed by the use of or apply network approaches in historical/archaeological research contexts, welcoming case studies drawn from all periods and places. Topics might include, but are not limited to:

●        Missing and incomplete data in archaeological and historical networks
●        Networks, space and place
●        Network change over time
●        What kinds of data can archaeologists and historians use to reconstruct past networks and what kinds of issues ensue?
●        Categories in the past vs categories in our analysis: etic or emic, pre-determined or emergent?
●        Formal network analysis vs qualitative network approaches: pros, cons, potential, limitations

Please submit your abstract limited to 250 words before midnight (GMT) of May 21st 2017 to connectedpast2017@gmail.com

NB. If there is sufficient demand, we will endeavour to organise a crêche for delegates’ children (under 3). An extra fee may be payable for this, although fee-waivers may be available in certain circumstances. Further details would be provided in due course. In order to allow us to assess demand, please let us know in advance if this would be useful for you.

 

Network analysis in the historical disciplines